Risiko

Bußgelder & Vertriebsverbot VerpackG: Was Ihnen wirklich droht

Das Verpackungsgesetz ist kein Papiertiger: 2024 leitete die ZSVR über 20.000 Ordnungswidrigkeitsverfahren ein. Bußgelder bis 200.000 €, Vertriebsverbote und Abmahnungen durch Wettbewerber sind reale Risiken.

Die Bußgeldnorm: §36 VerpackG

§36 VerpackG ist die zentrale Sanktionsnorm des Verpackungsgesetzes. Sie listet alle Ordnungswidrigkeiten (OWi) und den Bußgeldrahmen. In fast allen Fällen beträgt der Maximalrahmen 200.000 € pro Ordnungswidrigkeit.

Zuständig für OWi-Verfahren ist die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR). Sie kann eigenständig Verfahren einleiten, erhält aber auch Hinweise von Wettbewerbern, Verbraucherverbänden und dualen Systemen. 2024 hat die ZSVR ihre Kontrollintensität nachweislich erhöht.

Übersicht: Verstöße und Bußgeldrahmen

VerstoßRechtsgrundlageBußgeldrahmenRisiko
Fehlende LUCID-Registrierung§36 Abs. 1 Nr. 1 VerpackGbis 200.000 €Hoch
Fehlender Systembeteiligungsvertrag§36 Abs. 1 Nr. 2 VerpackGbis 200.000 €Hoch
Falsche oder fehlende Mengenmeldung§36 Abs. 1 Nr. 3 VerpackGbis 200.000 €Mittel
Fehlende Vollständigkeitserklärung§36 Abs. 1 Nr. 4 VerpackGbis 200.000 €Mittel
Vertrieb ohne Registrierung (Folgepflicht)§36 Abs. 1 Nr. 5 VerpackGbis 200.000 €Sehr Hoch

Das Vertriebsverbot: Unterschätztes Risiko

Neben dem Bußgeld kann die ZSVR bei nicht-registrierten Herstellern ein Vertriebsverbot verhängen — bis zur nachgeholten Registrierung und Systembeteiligung. Ein Vertriebsverbot bedeutet: Sie dürfen keine neuen Produkte in verpackter Form in den Verkehr bringen. Für E-Commerce-Händler ist das faktisch ein Betriebsverbot.

Das Vertriebsverbot ist in §15 VerpackG geregelt und kann auch ohne vorheriges OWi-Verfahren angeordnet werden, wenn die ZSVR feststellt, dass ein Hersteller nicht registriert ist.

Abmahnrisiko durch Wettbewerber

Da LUCID öffentlich einsehbar ist, können Wettbewerber und Abmahnvereine jederzeit prüfen, ob Sie registriert sind. Fehlende oder falsche LUCID-Einträge sind ein beliebter Abmahngrund, weil der Nachweis einfach ist.

Abmahnkosten können — je nach Streitwert und Anwaltskanzlei — mehrere tausend Euro betragen, bevor überhaupt ein OWi-Verfahren eingeleitet wird. Das Abmahnrisiko trifft besonders Online-Händler auf Marktplätzen wie Amazon, wo Wettbewerber aktiv nach Compliance-Lücken suchen.

Wie hoch sind Bußgelder in der Praxis?

Der gesetzliche Rahmen von 200.000 € ist die Obergrenze. In der Praxis variieren Bußgelder je nach:

  • Dauer des Verstoßes: Kurze Lücke vs. jahrelange Nichtregistrierung
  • Kooperationsbereitschaft: Sofortige Nachregistrierung vs. Verweigerung
  • Umsatzgröße: Kleinunternehmer vs. großer Online-Händler
  • Vorsatz: Fahrlässige Unkenntnis vs. bewusste Umgehung

Kleinunternehmer mit ersten Verstößen kommen oft mit Verwarnungsgeldern im dreistelligen Bereich davon. Bei wiederholten oder schwerwiegenden Verstößen können fünf- bis sechsstellige Bußgelder verhängt werden.

So schützen Sie sich vor Bußgeldern

  • LUCID-Registrierung vor dem ersten Verkauf systembeteiligungspflichtiger Verpackungen
  • Systembeteiligungsvertrag mit einem zugelassenen dualen System abschließen
  • Mengenmeldung laufend pflegen und zum 15. Mai (JAMM) einreichen
  • Dokumentation aller Verpackungsmengen aufbewahren (Nachweispflicht)
  • Fristenkalender anlegen und Erinnerungen setzen
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