Verpackungsmengen richtig berechnen: Anleitung für die JAMM 2026
Wie Sie Ihre Verpackungsmengen für die Jahresabschluss-Mengenmeldung (JAMM) korrekt berechnen. Drei Methoden erklärt mit Beispielen.
Die Jahresabschluss-Mengenmeldung (JAMM) muss bis zum 15. Mai eingereicht werden — und sie muss korrekt sein. Zu niedrige Mengen sind genauso eine Ordnungswidrigkeit wie gar keine Meldung. So berechnen Sie Ihre Verpackungsmengen richtig.
Was muss gemeldet werden?
Gemeldet werden müssen alle systembeteiligungspflichtigen Verpackungen, die Sie im Vorjahr in Deutschland in Verkehr gebracht haben:
- Versandverpackungen (Kartons, Polstermaterial, Klebestreifen)
- Produktverpackungen (Faltschachteln, Kunststofffolien, Etiketten)
- Serviceverpackungen (falls relevant)
Nicht gemeldet werden müssen: Mehrwegverpackungen, Verpackungen die bereits beim Hersteller lizenziert wurden (vorlizenzierende Verpackungen, aber nur wenn nachweislich).
Materialarten und ihre Kategorien
Die Mengenmeldung unterscheidet nach Materialarten:
| Materialart | Typische Beispiele | |-------------|-------------------| | Papier/Pappe/Karton (PPK) | Versandkartons, Faltschachteln, Packpapier | | Kunststoff | Luftkissen, Folien, Versandtaschen, Schaumstoff | | Glas | Glasflaschen, Konservengläser | | Metall | Dosen, Alufolie, Verschlusskappen | | Verbundmaterial | Bubble Wrap, Tetra Pak, mehrschichtige Folien | | Sonstige | Keramik, Naturmaterialien, Textil als Verpackung |
Methode 1: Versandprofil-Methode (empfohlen für E-Commerce)
Die Versandprofil-Methode eignet sich besonders für Online-Händler mit standardisierten Verpackungsgrößen:
- Versandprofile definieren: Welche Kartongrößen verwenden Sie? (z.B. Klein, Mittel, Groß)
- Gewicht pro Profil messen: Wiegen Sie einen leeren Karton jeder Größe inkl. Füllmaterial
- Versandmengen aus dem ERP ziehen: Wie viele Pakete jeder Größe haben Sie versandt?
- Hochrechnen: Gewicht × Stückzahl = Jahresgesamtgewicht pro Material
Beispiel:
- Karton "Klein" (31×22×10 cm): 220 g PPK, 50 g Kunststoff-Luftkissen
- Versandt: 8.000 Stück
- PPK: 220 g × 8.000 = 1.760 kg
- Kunststoff: 50 g × 8.000 = 400 kg
Methode 2: Produktkatalog-Methode (für Hersteller mit eigenem Sortiment)
Wenn Sie eigene Produkte mit definierten Verpackungen herstellen oder einführen:
- Pro SKU: Messen Sie das Gewicht aller Verpackungsebenen (Primär-, Sekundär-, Tertiärverpackung)
- Verkaufszahlen aus dem ERP: Wie viele Stück pro SKU verkauft?
- Multiplizieren: Verpackungsgewicht × Verkaufszahl pro SKU
- Aggregieren: Summe pro Materialart über alle SKUs
Diese Methode ist präziser, aber aufwändiger. Bei mehr als 50 SKUs empfiehlt sich ein Export aus Ihrem Warenwirtschaftssystem.
Methode 3: Einkaufsbasierte Schätzung (Notlösung)
Als letzte Option, wenn keine Versanddaten verfügbar sind:
- Ziehen Sie Ihre Jahresrechnungen für Verpackungsmaterial
- Schätzen Sie das Verhältnis von Verpackungsgewicht zu Einkaufsgewicht
- Berücksichtigen Sie Restbestände (Anfangsbestand + Einkäufe - Endbestand = Verbrauch)
Achtung: Schätzungen müssen dokumentiert und plausibel sein. Bei einer Prüfung müssen Sie die Schätzgrundlage erklären können.
Häufige Fehler bei der Berechnung
- Füllmaterial vergessen: Luftkissen, Papierpolster, Schaum sind Kunststoff bzw. PPK
- Klebestreifen vergessen: Gehören zu PPK oder Kunststoff (je nach Material)
- Rücksendungen nicht abziehen: Bei Retouren werden die Verpackungen vernichtet — Sie können die retournierten Mengen abziehen (Nachweis erforderlich)
- Falsches Jahreszeitraum: JAMM für 2025 = Verpackungen in Verkehr gebracht im Kalenderjahr 2025
Nächster Schritt: Meldung einreichen
Mit Ihrer berechneten Menge pro Materialart:
- Melden Sie die Mengen bei Ihrem dualen System (im Portal)
- Melden Sie dieselben Mengen in LUCID (Jahresabschlussmeldung)
- Vergleichen Sie beide Eingaben auf Übereinstimmung
- Deadline: 15. Mai des Folgejahres
VerpackRegister automatisiert diese Berechnung: Einmal Produkte einpflegen, dann läuft das Tracking automatisch — und die JAMM wird zum 15. Mai automatisch vorbereitet.
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